Begleitende Maßnahmen
Bewegung: Das A&O für Ü60er mit Bewegungsschmerzen
Wer sich bei einer Rückenerkrankung regelmäßig bewegt, wirkt einer Schmerzchronifizierung entgegen. Bei Arthrose und Arthritis kann ein starker Muskelapparat vor einer raschen Gelenkzerstörung schützen und entlastet zudem bereits geschädigte Gelenke. Patienten mit Knochenschwund beugen mit Bewegung einem weiteren Knochenabbau vor. Es geht hierbei nicht um übertriebene Ziele wie einen Marathon zu laufen. Gemeint ist die gezielte und regelmäßige Integration von körperlicher Bewegung in den Alltag, um die körperliche Fitness zu verbessern, die Mobilität zu fördern und damit die Schmerztherapie zu unterstützen.
- Das Auto öfter mal stehen lassen, die Treppe statt den Fahrstuhl benutzen oder in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang machen: So lässt sich Bewegung ohne großen Aufwand in den Tagesablauf integrieren. Zudem hilft dies, Übergewicht zu reduzieren. Jedes Kilo zuviel belastet Muskulatur und Gelenke.
- Gezielte gymnastische Übungen, am besten unter krankengymnastischer Anleitung, verbessern die Beweglichkeit und Widerstandsfähigkeit von Muskeln und Gelenken.
- Wandern, Skilanglauf, Nordic Walking, Radfahren, Rückenschwimmen oder Wassergymnastik sind optimale Sportarten, um die Muskulatur zu trainieren und ohne sie durch ruckartige Bewegungen zu belasten.
- Gemeinsames Training macht mehr Spaß und motiviert zu regelmäßiger Bewegung. Es gibt Angebote von Vereinen oder Organisationen, die speziell auf ältere Menschen zugeschnitten sind.
Physikalische Behandlungen
„Physikalische Behandlung“ klingt ein wenig gefährlich, ist es aber nicht. Unter diesem Begriff sind Anwendungen zusammengefasst, die auf physikalischen Methoden wie Wärme, Gleichstrom, Infrarot- und UV-Licht beruhen sowie Wasseranwendungen und mechanische Behandlungen wie zum Beispiel Massagen. Sie werden meistens von Physiotherapeuten oder Masseuren durchgeführt
Die sogenannte Transkutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS, erfolgt beispielsweise über Elektroden, die auf der Haut angebracht werden. Mit Hilfe von schwachen elektrischen Strömen wird der Nerv stimuliert, der der schmerzenden Region zugeordnet ist. Die elektrischen Impulse, die Sie als Kribbeln wahrnehmen, können den Schmerz mehrere Stunden lang unterdrücken. Es gibt kleine Taschengeräte, mit denen die Behandlung nach Anleitung auch selbst zu Hause möglich ist.
Das Biofeedback – zu deutsch „Biorückmeldung“ – bezeichnet eine Methode, die die Veränderungen von biologischen Vorgängen mit technischen Hilfsmitteln sichtbar macht. Funktionen wie Herzschlag, Blutdruck, Verdauung, Hirnströme und Hauttemperatur werden beim Biofeedback in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt. Das Ziel ist es, messbare, meist unbewusste Körperfunktionen "bewusst" zu machen, zum Beispiel als Puls- oder Hirnstromkurve auf dem Monitor, und diese dann bewusst zu beeinflussen. Auf diese Weise wird dem Patient die eigene Körperfunktion wahrnehmbar gemacht und durch Training kann die eigene Gesundheit selbstständig verbessert werden.
Manuelle Therapie
Das Ziel der Manuellen Therapie ist es, reversible Funktionsstörungen des Bewegungsapparats zu erkennen und zu behandeln. Das geschieht mit speziellen Handgrifftechniken. Ist die Ursache der Funktionsstörung gefunden, folgen therapeutische Handgriffe, die der Physiotherapeut oder Krankengymnast zur Mobilisation durchführt. So lassen sich verhärtete Muskelpartien lockern und Gelenkblockaden lösen. Bewegungsschmerzen können damit gelindert und Bewegungseinschränkungen reduziert werden.
Entspannungsmethoden
„In einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist“, heißt es. Folglich leidet auch die Seele, wenn es dem Körper nicht gut geht. Gerade bei Schmerzen ist es daher wichtig, etwas für das eigene Wohlbefinden zu tun. Hierfür gibt eine Vielzahl von Methoden, die Körper und Seele gleichermaßen gut tun und auch in der Schmerztherapie hilfreich sind. Bestimmte Entspannungstechniken beispielsweise können zusätzlich zu Schmerzmedikamenten das Schmerzempfinden herabsetzen. Dies geschieht zum einen durch direkte Entspannung der Muskulatur. Zum anderen können Entspannungstechniken die Schmerzaktivität im Gehirn herabsetzen, indem der Körper vermehrt körpereigene, Opioid-ähnliche Substanzen produziert.
So soll durch die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson durch bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung des ganzen Körpers erreicht werden. Dabei werden einzelne Muskelpartien in einer bestimmten Reihenfolge zunächst angespannt, die Muskelspannung kurz gehalten und anschließend gelöst. Die Konzentration wird dabei auf den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung gerichtet und auf die Empfindungen, die mit diesen unterschiedlichen Zuständen einhergehen. Ziel ist es, durch eine verbesserte Körperwahrnehmung die Muskelspannung unter das normale Niveau zu senken.
Yoga ist etwas, bei dem die meisten zuerst an akrobatische Verrenkungen denken. Doch hinter diesem Oberbegriff verbirgt sich ein ganzes Bündel an Techniken und Methoden, die den Menschen vom Leiden befreien sollen. Atem- und Meditations- sowie Körperübungen, die sogenannten Asanas, sind Elementen aus der Natur nachempfunden, beispielsweise dem Hund, dem Baum, der Kobra oder dem Berg. Auch ältere Menschen können sie erlernen. Ziel ist es, körperliche und seelische Verspannungen zu lösen und so zu Ruhe, innerer Kraft, Gelassenheit und geistiger wie körperlicher Gesundheit zu finden. Somit ist Yoga eigentlich weniger ein Bewegungstraining, sondern vielmehr eine Philosophie. Der Yogalehre zufolge ist das körperliche Befinden ein Spiegel des seelischen - und umgekehrt. Somit lassen sich über geistige Übungen körperliche Symptome beeinflussen, während Körperübungen die seelische Ausgeglichenheit fördern können.
Akupunktur
Die Akupunktur ist ein Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der mithilfe von in den Körper eingestochenen dünnen Nadeln Krankheiten geheilt, Schmerzen gelindert oder das Wohlbefinden gesteigert werden sollen. Die einzelnen Akupunkturpunkte sind aufgrund alter Erfahrungen festgelegt worden. Die Nadeln werden auf die Akupunkturpunkte gesetzt, die alle auf Leitlinien, die man als Meridiane oder Energiebahnen bezeichnet, liegen. In diesen Bahnen fließt nach altchinesischer Auffassung die sogenannte Lebensenergie Qi mit ihren Anteilen YIN und YANG. Diese beiden lebenserhaltenden Kräfte sind im Körper gleichzeitig, jedoch als Gegenpole, wirksam. Ihr völliges Gleichgewicht im Organismus stellt den idealen Gesundheitszustand dar. Ein Ungleichgewicht soll auf Dauer zu Krankheit führen.
Grundsätzlich gilt: Jeder Schmerzpatient muss selbst herausfinden, was ihm Spaß macht und gut tut. Zusätzlich sollte immer eine Empfehlung des Arztes oder der Ärztin eingeholt werden.
„Wer rastet, der rostet“, heißt es. Das gilt besonders für ältere Menschen. Auch wenn es paradox klingt, ist gerade für Patienten mit starken (chronischen) Bewegungsschmerzen regelmäßige Bewegung ein Muss. Eine wirksame und verträgliche medikamentöse Schmerztherapie ist die Basis. Denn nur wenn der Schmerz adäquat gelindert ist, ist Bewegung jeder Art überhaupt erst möglich.


