Schmerzgedächtnis
„Sei tapfer und beiß’ die Zähne zusammen!“, „An Schmerzen stirbt man nicht!“: Aussagen, die vor allem für ältere Menschen typisch sind. Sie empfinden Schmerzen als eine schicksalsgewollte, unausweichliche Last, die sie zu tragen haben. Sie akzeptieren ihren Schmerz. Doch diese Einstellung ist nicht nur falsch, sondern kann sogar gefährlich sein.
Der akute Schmerz hat eine wichtige Warn- und Schutzfunktion. Er zeigt uns, dass etwas mit unserem Körper nicht in Ordnung ist. Aus biologischer Sicht ist ein akuter Schmerz daher eine schützende und unter Umständen lebenserhaltende Reaktion auf schädliche Reize von außen (z.B. eine heiße Herdplatte, eine Stichverletzung oder Schnittwunde) oder innen (z.B. eine Entzündung oder Krebserkrankung). Wie ein Warnsystem lenkt der akute Schmerz die Aufmerksamkeit auf die gefährdete Körperregion und ermöglicht so im günstigsten Fall das Ausschalten des schädigenden Reizes. Wird die Ursache behandelt, ist der Schmerz meist schnell wieder verschwunden.
Problematisch wird es, wenn starke Schmerzen nicht rechtzeitig und nicht adäquat gelindert werden. Dann kann sich ein Schmerzgedächtnis bilden: Die Nervenzellen reagieren überempfindlich und melden dem Gehirn Schmerzsignale, auch wenn die Ursache des Schmerzes nicht mehr besteht. Dies ist vor allem bei Schmerzen aufgrund von Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Rückenleiden, Arthrose, Arthritis oder Knochenschwund der Fall, die nicht rechtzeitig und nicht wirksam gelindert werden.
Experten sprechen bei dieser Form von Schmerzen, die über Monate oder Jahre andauern, auch von chronischen Schmerzen oder der Schmerzkrankheit. Der Schmerz ist zu einer eigenständigen Erkrankung geworden und muss behandelt werden.
Um die Entwicklung chronischer Schmerzen zu verhindern, müssen akute Schmerzen rechtzeitig und wirksam behandelt werden. Daher: Bei Schmerzen bitte keine falsche Tapferkeit, sondern frühzeitig zum Arzt gehen! Damit der Arzt ein Schmerzmedikament verordnen kann, das gut verträglich ist und die Schmerzen wirksam lindert, ist es wichtig, den Schmerz nicht „herunterzuspielen“ und zu bagatellisieren.


