Fragen & Antworten
Mein Hausarzt hat mich zu einem Schmerztherapeuten überwiesen. Was muss ich beim ersten Arztbesuch beachten?
Dr. Nolte: Nur wenn der Arzt umfassend informiert wird, kann er Ihnen die optimale Therapie verordnen. Erstellen Sie vor dem Arztbesuch eine Liste mit allen Ärzten, bei denen Sie wegen Ihrer Schmerzen in Behandlung waren und bringen Sie diese zum ersten Termin mit. Zudem sollten Sie alle vorliegenden Untersuchungsergebnisse zu Ihrer Erkrankung zusammenstellen und dem Arzt alle Medikamente nennen, die Sie aktuell einnehmen und in den letzten drei Monaten eingenommen haben – sowohl verschreibungspflichtige als auch rezeptfreie.
Ich habe von der Schmerzkrankheit gehört. Was ist das?
Prof. Hardt: Je länger ein intensiver Schmerz andauert, desto größer ist die Gefahr, dass er zu einer eigenständigen Erkrankung wird. Die Nerven sind überreizt und melden auch ohne Anlass ein Schmerzsignal an das Gehirn. So wird der schmerzhafte Bereich mit der Zeit immer empfindlicher und schon geringe Schmerzreize tun sehr weh. Schließlich wirken sich die Schmerzen auch auf die Psyche aus und beeinträchtigen wichtige Bereiche des täglichen Lebens. Dann spricht man von einer Schmerzkrankheit oder von chronischen Schmerzen.
Meine Mutter ist 70 Jahre alt, hat Osteoporose und leidet an starken Schmerzen. Ihre Medikamente helfen nicht. Sie selbst sagt: „So ist das halt, wenn man alt wird“.
Prof. Klaschik: Leider glauben viele, dass älter werden mit Schmerzen verbunden ist. Doch das ist ein Irrtum. Niemand muss Schmerzen ertragen! Erklären Sie Ihrer Mutter, dass eine wirksame und gut verträgliche Schmerztherapie auch für sie möglich ist. Das ist wichtig, damit sie wieder aktiv am Leben teilnehmen kann und ihre Lebensqualität zurück gewinnt.
Ich nehme derzeit ein starkes Schmerzmedikament, da ich an schwerer Arthrose leide. Allerdings ist die Schmerzlinderung seit ein paar Wochen nicht mehr optimal. Brauche ich eine höhere Dosierung?
Dr. Junker: Wichtig ist, dass Sie Ihre Schmerzen messen. Um Ihre Schmerzstärke zu erfassen, hilft Ihnen eine Schmerzskala. Das ist ein zehn Zentimeter langer Schieber, auf dem Sie zwischen den Punkten „kein Schmerz“ und „stärkster vorstellbarer Schmerz“ einstellen, wie Sie Ihren Schmerz empfinden. Auf der Rückseite der Skala können Sie dann den genauen Wert ablesen. Messen Sie Ihre Schmerzen dreimal am Tag und tragen Sie die Ergebnisse sowie Ihr Befinden in ein Schmerztagebuch ein. Anhand dieser Daten kann Ihr behandelnder Arzt einschätzen, ob die Dosis Ihres Medikaments erhöht werden sollte.
Prof. Hardt: Opioide sind Schmerzmedikamente gegen starke Schmerzen. Sie wirken direkt im Rückenmark und verhindern dort, dass der Schmerz an das Gehirn weitergeleitet wird. Das lateinische Wort „retardare“ bedeutet „verzögern“: Retardpräparate geben ihren Wirkstoff nicht auf einmal, sondern kontinuierlich über einen Zeitraum von zirka zwölf Stunden in die Blutbahn ab. Dadurch werden die Schmerzen rund um die Uhr gelindert. Wichtig ist, dass Sie das Opioid regelmäßig nach einem festen Zeitschema einnehmen, zum Beispiel morgens um acht und abends um zwanzig Uhr.
Mein Mann hat starke Schmerzen in der Hüfte. Wenn er die Schmerzen gar nicht mehr aushält, nimmt er freiverkäufliche Schmerzmedikamente. Ist das richtig?
Prof. Klaschik: Niemand muss Schmerzen aushalten. Ihr Mann braucht eine dauerhafte und verträgliche Schmerztherapie. Denn Schmerzmedikamente wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol sind nicht ungefährlich, nur weil sie ohne Rezept zu kaufen sind. Werden sie regelmäßig über einen langen Zeitraum eingenommen, können sie die inneren Organe schädigen und sogar zu Magen-Darm-Blutungen führen. Ihr Mann sollte bei seinem Hausarzt das Problem ansprechen oder einen Schmerztherapeuten aufsuchen.
Warum ist es so wichtig, den Schmerz zu messen?
Dr. Junker: Die Stärke von Schmerzen sollte genau so selbstverständlich gemessen werden wie Blutdruck, Blutzucker oder Fieber. Denn nur wenn der Arzt die Stärke Ihrer Schmerzen genau kennt, kann er die richtige Therapie durchführen. Dabei ist die Schmerzskala hilfreich. Damit der Arzt den Erfolg der Behandlung über einen längeren Zeitraum beobachten kann, messen Sie Ihren Schmerz am besten mehrmals täglich zu Hause und tragen die Ergebnisse in ein Schmerztagebuch ein. Zusätzlich sollten sie notieren, wie sie die Therapie vertragen.
Mein Großvater hat Prostatakrebs und seine Schmerzen werden immer schlimmer. Er liegt im Krankenhaus und bekommt bereits ein starkes Opioid, hat jedoch Schluckbeschwerden. Muss er bald ohne das Schmerzmedikament auskommen, wenn er nicht mehr schlucken kann?
Dr. Nolte: Für Prostatakrebs und einige weitere Krebserkrankungen ist es charakteristisch, dass die Schmerzen schnell sehr stark werden. Für Ihren Großvater ist es von Vorteil, wenn er mit einem retardierten starken Opioid behandelt wird, das es auch in schnell wirksamer Form gegen Schmerzattacken sowie als Injektion gibt, wenn er nicht mehr schlucken kann. Das verhindert Nebenwirkungen, die durch das Umstellen auf einen anderen Wirkstoff auftreten können. Zudem kann Ihr Großvater so während der gesamten Therapie das Medikament erhalten, dem er vertraut.
Was sollte ich beachten, wenn ich zum Arzt gehe, um die richtige Schmerztherapie zu bekommen?
Prof. Hardt: Wichtig ist, dass Sie Ihrem Arzt Ihre Schmerzen mitteilen. Auch wenn Sie es gewohnt sind, die Zähne zusammenzubeißen. Nehmen Sie Ihre Schmerzen ernst und verharmlosen Sie diese nicht. Nur dann kann Ihr Arzt den Schmerz richtig diagnostizieren. Machen Sie sich zu folgenden Fragen vor dem Arzttermin Notizen, damit Sie nichts vergessen: Wo tut es weh? Wie stark ist der Schmerz? Wie fühlt sich der Schmerz an? Bei welcher Gelegenheit und wie häufig schmerzt es? Welche Faktoren beeinflussen die Schmerzen?
Wird der Knochen durch eine Osteoporose-Behandlung wieder stabiler oder verhindere ich nur eine weitere Verschlechterung?
Prof. Klaschik: Bei der richtigen Therapie kann sich die Knochendichte schon innerhalb eines Jahres verbessern. Wichtig ist, dass Sie jeden Tag aktiv sind und nicht nur einmal in der Woche. Am besten Sie planen den täglichen Spaziergang fest in Ihren Tagesablauf ein.
Vor einigen Jahren habe ich mir beim Nordic Walking das Knie verletzt. Seitdem plagen mich Rückenschmerzen. Gibt es da einen Zusammenhang?
Dr. Junker: Eventuell haben Sie durch das verletzte Knie beim Gehen eine Fehlhaltung ent-wickelt. Dadurch verspannen sich Muskelgruppen im Körper. Das wiederum stört die Funktion der Wirbelsäule und verursacht so die Schmerzen im Rücken. Ein Orthopäde sollte das untersuchen. Die Fehlhaltung des Körpers ist gut mit Krankengymnastik zu behandeln. Damit Sie sich überhaupt wieder bewegen und ohne Beeinträchtigung an der Physiotherapie teilnehmen können, brauchen Sie zusätzlich eine gute Schmerztherapie, z.B. eine Kombination aus Akupunktur und geeigneten Medikamenten gegen Schmerz und Muskelverspannung.
Ich habe starke brennende Schmerzen im rechten Bein: Die Kniekehle fühlt sich an, als wäre sie wundgescheuert und die Wade brennt wie ein Sonnenbrand. Was kann ich dagegen tun?
Dr. Nolte: Die Schmerzen, die Sie beschreiben, weisen auf einen Nervenschmerz hin. Diese Schmerzen entstehen durch eine Schädigung der Nervenzellen beispielsweise durch Viren wie bei der Gürtelrose oder durch Entzündungen. Um das körpereigene Schmerzabwehrsystem zu unterstützen, hilft eine Kombination von Medikamenten gegen Depressionen oder Epilepsie und die Einnahme eines retardierten Opioids. Lassen Sie die Ursache Ihrer Beschwerden von Ihrem Hausarzt abklären, damit er Ihnen die geeignete Therapie verordnen kann.
Mein Arzt möchte mir gegen meine Rückenschmerzen ein Opioid verschreiben, aber ich habe Angst vor den Nebenwirkungen. Was soll ich tun?
Prof. Hardt: Opioide sind zwar starke Schmerzmedikamente, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie auch starke Nebenwirkungen verursachen. Es ist zwar möglich, dass es zu Müdigkeit, Übelkeit und Verdauungsproblemen kommt. Jedoch treten die meisten für Opioide typischen Beschwerden nur in der Anfangsphase der Behandlung auf. Zudem gibt es ein Kombinationspräparat aus einem starken Opioid und einem sogenannten Opioidgegenspieler, das den Schmerz effektiv lindert und gleichzeitig sehr gut verträglich ist. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.
Ich nehme seit ein paar Tagen ein starkes Schmerzmedikament. Seitdem bin ich sehr müde. Gibt es da einen Zusammenhang?
Prof. Klaschik: In den ersten Tagen der Behandlung kann es sein, dass Sie sich müde fühlen. Haben Sie Geduld. Die Müdigkeit lässt nach einigen Tagen nach. Dann werden Sie sogar tagsüber wacher sein, weil Sie nachts ohne Schmerzen durchschlafen können.
Die Arthrose in meinen Knien, Armen und Fingern schmerzt. Ich möchte aber wegen meines empfindlichen Magens keine Medikamente nehmen.
Dr. Junker: Wichtig ist, dass Sie sich regelmäßig bewegen, um die Funktion der Gelenke zu erhalten und zu verbessern. Das ist allerdings nur möglich, wenn Ihre Schmerzen so weit gelindert werden, dass Sie zum Beispiel Kranken¬gymnastik machen können. Zur Therapie Ihrer Schmerzen sind retardierte Opioide in Tablettenform eine gute Wahl. Fixe Kombinationen, wie Oxycodon und Naloxon, greifen weder den Magen noch andere Organe an. Im Gegenteil: Sie erhalten die normale Darmfunktion und sind auch langfristig sehr gut verträglich. Sie sollten das mit Ihrem Arzt besprechen.





